Zahlen bitte!

Immer wieder kommt es vor, dass Spielepublisher ihren neuen Titel mit aller Macht ankündigen, den Fans den Mund wässrig machen und durch einen zu frühen Release-Termin dann nur die Hälfte der Features tatsächlich im Spiel ist. Dank der mittlerweile gängigen Praxis, Download Contents (DLCs) nach Release anzubieten, ist es den Publishern ein Leichtes, ursprünglich für den eigentlichen Titel geplante Inhalte später noch als (bezahlten) Extra-Download nachzuliefern.

Natürlich kommen sich die Käufer hierbei verarscht vor, doch vor Gericht hält diese Taktik stand. Nachdem (ich glaube) Valve in dem Zusammenhang angeklagt wurde, gewann man den Prozess, da man auf Steam beispielsweise lediglich das Recht zur Nutzung des Produktes erwirbt. Wieviel Produkt das ist, entscheidet der Publisher.

Der Unmut über unfertig verkaufte Spiele, bei denen zu wenig Inhalt und fehlende Features vorhanden sind oder die Spieler als Beta-Tester missbraucht werden, schwelt schon länger.

Vorhin habe ich die nächste Stufe dieser Taktik entdeckt: auf engadget.com wird berichtet, dass ein Leser des Portals neulich einen interessanten (und empörenden) Fund im Hardware-Laden seines (noch-)Vertrauens gemacht hat. Als standalone-Produkt war dort eine Karte zu erwerben, über die man per Download zusätzliche Kapazitäten seiner gekauften Intel-CPU freischalten kann.

Im aktuellen Fall geht es dabei um den neuen Pentium G6951-Prozessor, für den man ein 50$-Upgrade kauft und dann zusätzliche Threads und größeren Cache-Speicher bekommt. Da man sowas natürlich nicht per Download auf den Chip bekommt, muss die zusätzliche Kapazität ja schon da sein. Das konnte auch Hardware.info bestätigen, die einen Prototypen des Chips testen und feststellen konnten, dass die zusätzlichen Spezifikationen schon auf dem Chip sind.

Also eine neue Masche, um Herstellungskosten zu sparen und den Leuten zusätzlich Geld aus der Tasche zu ziehen.
Also entweder müssen wir unfertige Produkte kaufen und Kohle abdrücken, um sie ganz zu haben oder wir bekommen fertige Produkte, die wir erst ganz benutzen können, wenn wir Kohle hingeblättert haben. Wann ist eigentlich diese fast schon perverse Spielart des Kapitalismus aufgekommen?

Und wie geht es weiter? Werden Autos nur noch ohne Räder verkauft? Können wir Blumen zwar kaufen, doch wenn wir sie verschenken wollen, wird uns Geld vom Konto abgebucht? Oder brauchen wir jetzt dreimal Kleingeld, wenn wir auf eine öffentliche Toilette gehen wollen? Einmal zum hinein gehen, einmal, um WC-Papier zu bekommen und ein drittes Mal, um wieder raus gehen zu dürfen.



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