Warum manche Dinge in der Zeit immer wieder kehren

Ich hab vor Kurzem Terry Pratchett – Der Zeitdieb gelesen und es ist schon verblüffend, wie „einleuchtend“ manche Erklärungen und Beispiele Pratchetts sein können. Eine Stelle hat mich gerade auf einen Gedanken gebracht, der an dieser Stelle für einen neuen philosophisch-laienhaften Artikel sorgt.

Susanne, die Enkelin von Tod, besucht jenen in einem Herren-Klub, wo er sie darauf aufmerksam macht, dass die Welt nächsten Mittwoch zu existieren aufhört. Er weiß das natürlich, weil er sich an die Zukunft erinnert. Jedenfalls erklärt er, dass dies schon einmal geschehen ist und die Geschichtsmönche, die sich um den Lauf der Zeit auf der Scheibenwelt kümmern, einiges zu tun hatten, um das wieder hinzukriegen. Dazu mussten sie das Gefüge der Zeit flicken, indem sie Zeit aus einem alten Jahrhundert nahmen und damit das moderne Jahrhundert flickten.

Ist natürlich schwer vorzustellen – selbst für die Enkelin vom Tod, darum gibt er ihr ein anschauliches Beispiel. Er geht zu einem gedeckten Tisch mit Tischdecke, Besteck, Salzstreuer und Vase. Die Tischdecke ist die Zeit und Besteck und Geschirr sind die Ereignisse innerhalb dieser Zeit. (Übrigens scheint Pratchett da mit „aktuellen“ Zeit-Theorien d’accord zu gehen, die die Zeit hauptsächlich als planes Gebilde darstellen)

Um das Entweden der Zeit durch die Geschichtsmönche zu demonstrieren, zieht er mit einem Ruck die Tischdecke vom Tisch; alles darauf wackelt kurz, nur der Salzstreuer kippt um aber sonst bleibt alles, wie es ist. So hätten die Mönche sich die Zeit aus einem vergangenen Jahrhundert geholt. Susanne fällt auf, dass Flecken auf der Tischdecke sind, Tod argumentiert aber dagegen, dass so etwas erstens kaum jemandem auffalle und zum anderen Historiker unheimlich nützlich sind, weil sie Erklärungen für sowas finden.

Sekunden später schießt mir der Gedanke an wiederkehrende Modeerscheinungen durch den Kopf. Selbstverständlich tauchen diese nicht auf, weil jemand, der sich für einen Trendsetter hält, sich an ein cooles Accessoire erinnert, dass er (oder seine Eltern) früher mal getragen hat, es wiederholt und damit … nunja einen Trend setzt.

Nein! Die Menschen reagieren nur auf ein Relikt einer vergangenen Zeit, das übrig geblieben ist, weil die Geschichtsmönche ein Stückchen Zeit der Vergangenheit in unserer aktuelle eingewebt haben. Darauf ist ein Fleck, ein Salzkorn oder eben ein Stück einer vergangenen Mode haften geblieben.

Ziemlich einleuchtend, was? *g*



2 Antworten zu „Warum manche Dinge in der Zeit immer wieder kehren“

  1. Spannend. Und tatsächlich einleuchtend. :-)
    Besonders schön fand ich den Teil mit den Historikern, die dann irgendeine Erklärung für die Flecken finden.

    1. Stimmt, das ist wirklich so ^^
      Darin zeigt sich mal wieder der alte Drang des Menschen, in allem einen Sinn sehen zu wollen. Wo keiner ist, wird einer zusammen gesponnen…

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