Wahlkampf oder was? Das Hin und Her der Parteien zwischen Tiefschlägen und guter Miene zum bösen Spiel

Also ich muss mich irgendwie schon wundern. Sind die Zeiten des politisch korrekten Wahlkampfes vorbei? Tritt an die Stelle von Podiumsdiskussionen jetzt der Mediensturm? Machen die Parteien ständig Fehler des Marketings wegen oder weil sie nicht mehr so recht wissen, wo es lang geht?

Anbei eine kurze Chronik der politischen Medienberichte – sozusagen der chaotische Weg zur Führung der Republik.

Um die CDU steht es – wie allgemein bekannt sein dürfte – nicht mehr allzu gut im aktuellen Wahlkampf. Zumindest mir kommt es so vor, als mache die Union das grós der momentanen Meldungen aus. Da wäre zum einen der Diskurs über das Lengsfeld-Plakat, der erfolgreich die Medien provozierte oder aber der Versuch der CDU, sich ein Gesicht bei der CSU (von Guttenbergs) auszuborgen, um sich damit zu schmücken.

Mittlerweile wurde noch eine Panne publik: Die CDU hatte erst diese Woche das größte Wahlplakat des Landes am Charlottenburger Tor in Berlin aufgestellt, eine Art Torbogen über die achtspurige Straße des 17. Juni. Dummerweise darf an dieser Stelle gar keine Wahlwerbung sein. Momentan dürfte der schwarze Peter heiß laufen, weil er von einem zum nächsten geschoben wird und vielleicht rollen auch ein paar Köpfe.
Obwohl, moment: Laut Gesetz hat die Firma, die für das Plakat verantwortlich ist, vier Wochen Zeit, es zu entfernen. Das wäre dann also nach den Wahlen, alle wären aus dem Schneider und kein Hahn würde mehr danach krähen. Wie praktisch.

Witzig am Rande: Irgendwie hat die CDU die Kraft nun doch nicht mehr. Die hat jetzt nämlich die Piratenpartei. Der CDU-Slogan „Wir haben die Kraft“ führt – als Internetadresse in die Browserzeile getippt – schnurstracks auf die Homepage der Piratenpartei. [1] Ausprobieren? Bitteschön: www.wirhabendiekraft.de
Bundespressekoordinator Fabio Reinhardt von der Piratenpartei erklärt lässig, seine Leuten hätten zwar nichts mit der Umleitung zu tun, aber sie zeige, „wie schlecht die PR der CDU funktioniert“. Man hatte bei der CDU schlicht vergessen, sich die Internetdomain des neuen Slogans zu sichern.

Bei den Landtagswahlen in Sachsen, im Saarland und in Thüringen, die am 30. August stattfanden, musste die CDU ebenfalls schwer einstecken und Verluste hinnehmen. Zwar bleibt sie in diesen Ländern stärkste Kraft, hat aber nicht mehr die absolute Mehrheit. Gerade im Moment überschlagen sich die Meldungen im Internet über den überraschenden Rücktritt von Ministerpräsident Dieter Althaus, ehemaliger Führungsmann der CDU Thüringen. [Ramelow hält Ministerpräsidentenfrage offen, Althaus-Rücktritt setzt SPD und Linke unter Druck, Althaus-Rücktritt: Abgang des einsamen Entscheiders, Merkel verliert ihren wichtigsten Mann im Osten, Althaus überrumpelt Union mit Rücktritt, Lengsfeld fordert Rücktritt von Althaus].

Was die SPD jetzt machen will, wird sich zeigen – die wollte sich nämlich gegen die CDU durchsetzen, indem sie forderte „Althaus muss weg“. Nun ist er weg, aber die Wahlen noch nicht vorbei. Was bieten sie ihren Wählern nun an? Denn zumindest in Thüringen ist eine Koalition zwischen CDU und SPD nun ziemlich wahrscheinlich und so wirklich wollte das keiner von beiden.

Übrigens nahmen mal wieder viel zu wenige an den Wahlen teil. Darf man sich an den Zahlen der jüngsten Landtagswahlen orientieren und dies auf die Bundestagswahlen umbrechen, kann mit einer Wahlbeteiligung von rund 71% aller Wahlberechtigten gerechnet werden. Dies wäre mal wieder ein Tiefststand.

Ich denke, angesichts der Medienschlacht und Debakel-Hitparade sollte man nicht resignieren, sondern etwas tun. Das kann jeder von euch, der in diesen Tagen eine Einladung zur Wahl bekommt. Also haltet euch ran und nutzt eure Stimme. Wer nicht genau weiß, für wen, findet im „Wahl-o-mat“ vielleicht eine Entscheidungshilfe.



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