Amerika, das Land der unbegrenzten aber allzugern eingeschränkten Möglichkeiten..
Von dort kommen auch die DVD-Player mit eingebauter „ClearPlay“-Technik, die aus Filmen Szenen filtert, die Gewaltdarstellungen oder Sexszenen automatisch überspringt. Sozusagen eingebauter Jugendschutz.
Ganz schön, ganz nett – dass die Amerikaner bei Nacktheit allergisch reagieren, wissen wir ja schon. Jetzt wollen sie die Technik auch in Europa auf den Markt bringen, wie auf der IFA vorgestellt.
Ich seh das ganze (mal wieder) kritisch. Ich meine, es ist sicher gut, sich als Elternteil darauf verlassen zu können, dass allzu hefitges ausgeblendet wird, aber moment mal, ist es nicht ohnehin meine Aufgabe als Vater darauf zu achten, meinen Kindern nur solche Filme zu zeigen, bei denen so etwas gar nicht vorkommt? Ich meine, was für eine Zielgruppe stellt sich das Unternehmen vor? Eltern, die ihren Kindern „Der Soldat James Ryan“ einlegen? Oder vielleicht „Basic Instinct“ oder „Requiem for a dream“? Oder etwa solche Eltern, die sich von vornherein keine Mühe bei der Auswahl der Filme machen wollen? Hart formuliert würde ich von „Rabeneltern“ sprechen oder zumindest von medial überforderten, denn das ist leider der Hauptkritikpunkt hierzulande. Nicht unbedingt die Schärfe des Jugendschutzes, sondern die fehlende Durchsetzungskraft von Seiten der Erziehungsberechtigten.
Denn dort sehe ich auch die wichtigste „Gefahr“ im Markteinzug der ClearPlay-Technik. Die „falsche“ Suggestion des sicheren Jugendschutzes. Den Eltern könnte vermittelt werden, sich vollständig darauf zu verlassen und sich so ihrer „elterlichen Pflichten“ noch weiter zu entziehen bzw. nicht die Notwendigkeit zu verspüren, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Sicher gibt es Filme, bei denen das kein Thema ist, aber ich beobachte mehr und mehr Filme, die zwar für Kinder gemacht sind, aber dennoch über drastische Darstellungen verfügen. Die Chroniken von Narnia – Prinz Kaspian zum Beispiel; ein Kinderfilm, der ab 12 Jahren freigeben ist, jedoch zu mindestens 50% aus Töten besteht. Blendete man das alles aus, blieben 50% seelenloses Geschauspielere und ein paar schlecht animierte Kuscheltiere übrig. Oder Pans Labyrinth: freigegeben ab 14 Jahren, aus meiner Sicht jedoch keinesfalls ein Kinderfilm. Da gibt es Folter, Kindesmord, Alptraumhafte Kreaturen und die detaillierte Darstellung, wie man sich eine aufgeschlitzte Wange zunäht.
Alles, was ClearPlay hinterlässt sind dann weltfremde, überforderte und fragende Kinder: Papa, warum hat der Mann auf einmal einen Verband im Gesicht? (Weil er eine Frau unwürdig behandelt und ie sich gewehrt hat, was richtig ist und man unter Notwehr versteht.) Papa, warum macht der so schlimme Dinge? (Weil er ein Nazi ist, was menschenverachtend ist.) Papa, warum liegt der süße Bär da auf einmal nur rum wo er doch grade einen Fisch gesucht hat? (Weil der Zwerg ihn erschossen hat. Die Kinder konnten nicht mit ihm reden, weil der Bär verwildert und krank war vor Hunger, denn die Welt verändert sich, wenn Unterdrückung und Machtgier in die Welt der Kinderfantasie einfallen.) Und warum nimmt der Zwerg da grade ein Messer raus und geht auf den Bär zu? (Weil… tja…)
Wollen wir wirklich unseren Kindern diese Fragen vorenthalten? Blendet ClearPlay statt der geschnittenen Szenen auch gleich Erziehungstipps ein?

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