Keine Colts und keine Viehherden und doch ein Western: „No Country for old Men“

Ich war ja noch nie so ein überragender Fan von Western-Filmen (ganz im Gegensatz zu meiner Großmutter). Sie mochte die verwegenen Helden und die gesetzlosen, die auf den Rücken ihrer Pferde durch die Wüste ritten.
Als ich angefangen habe, bewusst Filme zu schauen, gab es „nur“ noch die Neo-Western. Filme, die in der ein oder anderen – aber meistens melancholischen – Perspektive auf die „gute alte Zeit“ zurück blickten.

No Country for Old Men“ tut das auch. Aber ganz anders.

Das ist ein interessanter Effekt: sieht man den Film, käme man nie auf die Idee, es mit einer Hommage an den Western zu tun zu haben. Hört man jedoch diesen Vergleich, scheint alles zu passen: Geld, Gewalt, Einsamkeit, alte Helden.

Spiegel.de sagt „gelingt den Coen-Brüdern eine phänomenale Neudefinition des klassischen Westerns.“

Ganz unrecht haben sie damit nicht, aber der Film geht noch viel weiter.

//www.fest21.com/files/images/NO%20COUNTRY%20FOR%20OLD%20MEN.JPG" kann nicht angezeigt werden, weil sie Fehler enthält.Er ist brutal, sicher. Aber nicht von so abartiger Brutalität wie ein Saw-Film. Die Brutalität steckt vielmehr in den Charakteren. Und ganz besonders in dem Killer Anton Chigurh. Selten habe ich einen so perfekt gespielten und ausdefinierten Killer im Kino gesehen.

„Und wer hätte je gedacht, dass ein Mireille-Matthieu-Gedächtnis-Pony
wie der von Serienkiller Chigurh einem Kälteschauer über den Rücken zu
jagen vermag? Javier Bardem spielt die Mordmaschine mit einer
Doppelbödigkeit, die cinephile Ausdeuter noch über Jahre beschäftigen
dürfte.“

Ich war und bin kein Fan der „Hitman„-Computerspiel-Verfilmung, aber genau so muss ein Mann sein, der diesem Geschäft nachgeht. „Verrückt“ passt nicht einmal als Beschreibung. Psychopat reicht nicht aus und Wahnsinn ist etwas anderes. Man mag nicht einmal hundertprozentig sagen, dass er absolut kalt ist.

Und dieser Chigurh verkörpert in meinen Augen ein bisschen die Welt um die Menschen herum. Sie tötet dich, wenn du nicht mit ihr fertig wirst.

http://elseptimoarte.files.wordpress.com/2007/05/no-country-for-old-men.jpgJedenfalls hat der Film alles, was man von einer guten Geschichte und mehreren Oscar-Auszeichnungen erwartet. Episoden, die man in die Handlung nicht einzuordnen weiß und die erst Sinn ergeben, wenn man später darüber nachdenkt. Eine genaue Beobachtungsgabe und ein Schuß alltäglicher Wahnsinn, der auf das mittlerweile renommierte Konto der Coen-Brüder geht.
Und ein Ende, das keins ist.

Für mich auf jeden Fall ein Film, vor dem ich mich verbeuge, während neben mir Leute ratlos und betreten lächelnd aus dem Kinosaal gehen.



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