Meine These lautet: diejenigen, die finanziell nichts haben, leben auch weiterhin in einer finanziell ungünstigen Situation mit unmöglichen bis sehr schwierigen Aufstiegschancen.
Meine Frage lautet: Warum?
Die These lässt sich relativ schnell an zahlreichen Beispielen belegen: Neulich gab es einen Beitrag über einen Mann, der von Hartz IV leben musste, nachdem ihn seine Frau verlassen hatte, denn sie hat ihn mit zwei Kleinkindern zurück gelassen, um die er sich kümmern musste. Anhand einer Aufstellung konnte man sehr deutlich sehen: Hartz IV Empfänger bekommen nur das, was sie wirklich zum Leben brauchen. Jeglicher „Luxus“ bleibt außen vor. Dazu gehören auch Wunschspielsachen für die Kinder, ein Auto für den Vater oder Kleidung für alle 3, bevor die eigene komplett zerschlissen ist. Wenn eines der Mädchen ins Kino gehen will, muss der Vater ihr erklären, dass sie sich das nur einmal im Monat leisten können.
Doch mit der Armut kommt hierzulande auch die Chancenlosigkeit. Dem Mann ist es praktisch unmöglich, für sich und seine Kinder einen besseren Zustand herbei zu führen. Er wird niemals Geld übrig haben, um es beiseite zu legen. Während seine Kinder noch klein sind, wird er keine Möglichkeit haben, nebenbei zu arbeiten und selbst wenn sie alt genug sind, wird er vermutlich keinen Topjob bekommen (fehlende Qualifikation + zulange aus dem Berufsleben raus gewesen). Eng damit verbunden ist die Benachteiligung in der Gesellschaft.
Die Familie wird sich keine Topärzte leisten können, lediglich einen überforderten Arzt in der Notaufnahme einer Klinik, der schlecht bezahlt wird und für jeden Patienten nur fünf Minuten opfern kann. Sie sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die summa sumarum vermutlich mehr kosten, als eine Tankfüllung Benzin. Und damit müssen sie regelmässig auf Ämter und Behörden, in die besser verdienende nie einen Fuß setzen müssen.
Mein Beispiel stammt jedoch nicht aus einer dünnen Schicht benachteiligter – es gibt nach unten und auch nach oben weiteren Spielraum für soziale Benachteiligung. Unten haben wir die Obdachlosen und all die Randgruppen der Gesellschaft, die täglich um ihr überleben kämpfen müssen.
Und nach oben hin haben wir den Mittelstand, dem es zwar verhältnismässig gut geht, dem aber dennoch Aufstiegschancen erschwert werden. Hier lässt sich der normale Arbeitnehmer finden, der auf einem leicht ersetzbaren Arbeitsplatz in der gesunden Aktiengesellschaft arbeitet. Der Firma geht es so gut, dass sie ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen und ihnen einmal im Jahr die eigenen Aktien zukommen lassen. Eigentlich eine gute Sache, denn die Aktien tragen schon seit langer Zeit Gewinn und sind tatsächlich bares Geld wert. Der Haken an der Sache ist jedoch der: normale Arbeiter wie er dürfen nur maximal 3 Aktien bekommen und muss (ab nächstem Jahr) 25% Steuern auf deren Gewinn bezahlen. Sein Chef jedoch hat ein anderes Tarifmodell; er darf sich zwischen 3 Paketen entscheiden mit 10, 20 oder 30 Aktien. Er hat shcon mehr Geld – und er bekommt noch mehr in die Hand gedrückt.
Aber um mal vom Geld weg zu kommen: was macht der mittelständische Verdiener, wenn es mal zu einer gesundheitlichen Versorgung kommt? Er muss sich entscheiden zwischen einer „minderwertigen“ Versorgung, die er bezahlen kann oder einer angemessenen Versorgung, die er nur bezahlen kann, wenn er sein Leben in vielen anderen Bereichen einschränkt. Im günstigsten Fall hat er am Ende eine gute Versorgung, in den meisten Fällen jedoch eine schlechte. Das wirkt sich auf die Gesundheit aus und wiederum einen schlechten Stand in der Gesellschaft. Wer mehr Kapital zur Verfügung hat, wird auch eine sehr gute gesundheitliche Versorgung in Anspruch nehmen können und sich niemals mit den Menschen „unter“ ihm verbunden fühlen. Denn er kommt nicht in deren Situation.
Wie kann das sein?
Die Einkommensschere ist da, kein Zweifel und sie wird sich auch noch weiter öffnen und die Situation verschärfen, doch welches System steht dahinter? Wodurch ist diese Entwicklung bedingt?
Ein Grund könnte natürlich das Geld und somit die Wirtschaft sein. Die Wirtschaft liebt wohlhabende Leute und darum gibt sie ihnen auch, was sie kann. Und sie gibt es nicht den benachteiligten Menschen, denn die brauchen länger, damit sie es der Wirtschaft wieder zurück geben können. Und die besser verdienenden können automatisch mehr Geld für ihre Chancen und ihre Stellung in der Gesellschaft ausgeben. Das würde bedeuten, das Überleben des Stärkeren hängt vom Verdienst und dem Geldfluss ab?
Das erscheint mir zu einfach. Da muss noch mehr dahinter stecken. Und wenn nicht, dann ist es eigentlich ein Armutszeugnis.

Hinterlasse einen Kommentar