Lehrer: Angst vor schlechten Noten

Als es bei uns früher immer Zeugnisse gab, hatten wir Schüler meist auch eines für unsere Lehrer. Angefüllt mit Fantasiefächer, wie: Nettigkeit, Freundlichkeit oder Modebewußtsein gab es hier und da eine fiese Note, aber immer auch einen kleinen Text mit Lob.
Den meisten Pädagogikstudenten, denen ich das erzählt habe, hat das ausnehmend gut gefallen. Es bricht die alte Routine auf, eines einseitigen und starren Bildungsvorganges.
Aber offensichtlich sehen das Lehrer, die diesen Job schon eine Weile machen, nicht so.

Spickmich.de ist ein Social-Network für Schüler, in dem unter anderem auch Noten für die Lehrer vergeben werden können, laut Seite „dient [diese Seite] Ihnen zur Bestätigung Ihrer guten Arbeit, aber auch als Denkanstoß für eine
mögliche Verbesserung Ihres Unterrichts.

Und genau das ist etwas, das meiner Meinung nach viele Lehrer (fatalerweise) überhaupt nicht interessiert. Nicht umsonst hat schon letztes Jahr eine Lehrerin gegen die Seite geklagt (und verloren) und nun versuchte es eine weitere Kollegin aus Nordrhein-Westfahlen erneut.

Ich meine, was soll das? Lehrer ist ein Beruf der Öffentlichkeit – man arbeitet mit Menschen, mit Kindern und man ist sogar dadurch auf sie angewiesen. Ich kann keinen Stoff, kein Wissen vermitteln, wenn ich nicht darüber reflektiere, wie ich ihn an den Mann/die Frau bringe. Wie eingebildet und egoistisch ist das denn, zu glauben, über jeden Zweifel erhaben zu sein und keine Kritik nötig zu haben? Um effektiv und nützlich zu arbeiten, braucht man einfach ein Feedback. Und das sind eben die Bewertungen der Schüler. Denn wer kann besser wissen, wie gut ich meinen Job mache, wenn nicht die, die davon profitieren müssen.

Ich unterstütze die Gerichtsurteile zur Abweisung der Klagen und fände sogar die Idee eines Evaluationsverfahrens für Lehrer begrüßenswert. Gern können auch die Lehrer an der Erarbeitung eines solchen Fragebogens mitwirken – mit den Schülern.



Hinterlasse einen Kommentar