Funkstille

Schon immer hat mich folgendes „Vorurteil“ genervt: „virtuelle Bekanntschaften sind nicht mit echten Bekanntschaften zu vergleichen, da virtuelle einen geringeren Stellenwert haben.“Allein die Formulierung „echte Bekanntschaften“ erscheint mir hier problematisch – hat sie noch vor einigen Jahren einen eindeutigen Definitionsinhalt gehabt, so verschwimmt diese Grenze nun mehr und mehr durch die vermehrte Nutzung alternativer Kommunikationsmittel, wie sie das Internet bereit stellt.Lernte man früher Leute noch durch den direkten Mensch-Mensch-Kontakt kennen, so gibt es heute mit Chats, ICQ, Skype oder Social-Networks viel mehr Möglichkeiten. Und in der Art der Kontaktaufnahme liegt für mich der entscheidende Unterschied. Sicher gibt es viele Leute im Netz, die unter Angabe falscher Tatsachen changieren, aber ich gehe schwer davon aus, dass man das nach einer gewissen und nicht allzu langen Weile herausfinden kann. Viel häufiger (zu meinem eigenen Glück und auch oft über mein MMORPG EverQuest 2) lernt man die Menschen über ihre Ansichten und Aussagen kennen und die transportieren Charakterzüge des Aussagenden meist viel näher als das äußere Erscheinungsbild.Und dieses ist bei einer Begegnung im realen Leben viel eher ein Nährboden für Vorurteile.So lernt man Menschen im Internet eher über textbasierte Kommunikation kennen und die Leute dadurch besser einzuschätzen (Sofern sie natürlich es auch so meinen wie sie es sagen). Auch aktuell habe ich das wieder festgestellt, denn dieses Wochenende befinde ich mich in Heidelberg. Leute treffen, die ich über das Internet kennen gelernt habe. So stimmte schon von vornherein die Chemie zwischen uns und die Begegnung war vermutlich viel lockerer, als hätte man sich vorher nicht so kennen gelernt.Die Zeit des Umdenkens ist sicherlich noch nicht abgeschlossen. Mehr und mehr Möglichkeiten, fortschrittlichere Technik sorgen auch in Zukunft dafür, dass sich die Wege der Kommunikation noch weiter ändern und die Grenzen sich verschieben. Und vergleiche zwischen „früher“ und „heute“ sind sowieso nicht mehr so ohne weiteres aufzustellen. 



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