Ein Kind adoptieren. Wenn ich so darüber nachdenke, fallen mir nicht viele Situationen ein, in denen Menschen einander fremder sein können als diese.
Aus welchen Gründen auch immer, ein neues Kind kommt in ein altes Leben. Wie sagt man zu dem Kind? Wie sagt man zu dem Erwachsenen? Wie lernt man sich kennen, wie geht man miteinander um? Wie meistert man die Zeit, die so schwer zu meistern ist? Natürlich ist es schwieriger, je älter das Kind ist.
Ich denke, dass muss die Grundidee von „Martian Child“ (Mein Kind vom Mars) gewesen sein.
Wenn ein „neues“ Kind in der Familie schon so fremd ist, warum lässt man es nicht gleich vom Mars sein? Wer den Film nicht kennt: es ist keine Science-Fiction-Komödie und ich denke, damit lenke ich eure Gedanken schon in die richtige Richtung.
Natürlich ist Dennis, der Junge aus dem Film, nicht vom Mars. Der Film spielt nicht einmal damit, ihn von dem roten Planeten sein lassen zu können. Und das rechne ich dem Film hoch an. Nein, er fokussiert sich ganz klar auf die Zwischenmenschlichen Beziehungen. Genauer gesagt: auf die Beziehung zwischen einem Adoptivkind und einem Adoptivvater. Noch genauer gesagt: zwischen einem emotional destabilisierten Adoptivkind und seinem kreativgeistigen, einfühlsamen Vater.
Woher der Junge kommt, wird nicht geklärt – er ist ein Waisenkind und David, der zwei Jahre zuvor Witwer geworden ist, will nun doch das Kind annehmen, zu dem er sich zuvor mit seiner Frau entschieden hat. Der Junge ist ein Problemkind, glaubt, er käme vom Mars und ist sehr exzentrisch.
Auch damit spielt der Film nicht. Es ist natürlich seltsam, ein exzentrisches Kind zu sehen, aber genau das ist auch wichtig zu erleben: Kinder sind auch nur Menschen. Jünger, kleiner, naiver – aber sie können genauso leiden wie Erwachsene – das sagt sogar John Cusack im Film.
Und auch bei ihnen braucht es Zeit und Einfühlsamkeit, um damit umzugehen.
Adoptivvater David geht nicht bravourös mit der Situation um. Wie auch, schließlich ist das eine verdammt schwierige Situation. Aber er nimmt sie auf sich und geht gut damit um – für mich ein weiterer Pluspunkt, denn Superheldendaddys gibt es schon genug und nichts ist unrealistischer.
Der Film ist also recht behutsam und viele Dialoge sind wirklich gut – das wirkt umso glaubhafter, da David ein Schriftsteller ist. Seltsamerweise wirkt das, was er sagt, dadurch glaubhafter. Das ist nicht unbedingt ein Lob an das typische Filmpublikum, aber das nur am Rande. Doch gerade aufgrund dieser Behutsamkeit in der Darstellung, der Vater-Kind-Beziehung und den sanften Anspielungen auf eine Mann-Frau-Liebesgeschichte und die nur anklingende, starke Bruder-Schwester-Geschichte wirkt der Schluß ein wenig unbefriedigend.
Denn hier haben wir ein typisches Alles-wird-gut-Hollywood-Ende. Sicher, es muss wieder gut werden, damit sich der Kinobesucher hinterher auch gut fühlt – aber doch nicht mit der typischen Geburtstagsparty für einen abnormen Jungen, der zum „normalen“ Jungen geworden ist und in die Kamera lacht, während sich der siegreiche Daddy die Hand gibt mit der neugewonnenen Frau.
Klar muss es so kommen, aber das könnte man sicher auch anders lösen.
Oder? Muss es denn so kommen?

Wie auch immer – „Martian Child“ ist ein guter Film, der viel Potential hat und nur wenig davon verschenkt. Der übliche Kinokost ist, die für einen besinnlichen Abend sorgt, aber nicht unbedingt nachhaltig hängen bleibt.
Darum möchte ich hir viel lieber auf die Story hinter der Story besinnen. Auf das, was ich eingangs schrieb und was wirklich wichtig ist.
Darüber nachzudenken, hat mich der Film angeleitet und das sollte man an ihm auch wertschätzen.
P.S. Eigentlich ist es gar kein so schlechter deutscher Titel, aber ich nenne den Film lieber „Martian Child“, wie er original heißt. Klingt einfach …. passender, fremder, nicht so Familienfilmmässig.

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