Mittlerweile der neunte Teil von Hohlbeins „Chronik der Unsterblichen„-Reihe.
Oft geht es mir bei Buchreihen so, als käme man nach Hause, wenn man ein neues Buch anfängt. Das Gefühl, schon so viel gemeinsam mit den Charakteren erlebt zu haben und sich in einer altbekannten Welt wieder zu finden. So ist das auch jedesmal bei Hohlbeins Reihe.
Und dennoch ist es anders als früher.
Ich hatte das Buch erstaunlich schnell durchgelesen. Das ist nicht negativ gemeint und auch nicht, wenn ich es als Fantasy-Fast-Food bezeichne. Es ist einfach leichte Kost, die ein posiitves Gefühl hinterlässt.
Aber gleichzeitig ist es teilweise auch ganz schön anstrengend. Zumindest für mich.
Schon seit einer Weile ist mir das bei neueren Büchern von Hohlbein aufgefallen: der Hang zu Superlativen. Das meine ich in ganz kleinem, syntaktischem Zusammenhang. Dann gibt es eben nicht eine heiße Flamme, an der sich der Protagonist verbrennt, sondern es ist eine Flamme, die so glühend heiß brennt, als wäre sie ein flüssiger Tropfen aus der Hölle und lässt die Haare des Helden verschmoren und seine Haut Blasen werfen.
Natürlich ist das anschaulich und mitreißend, aber ich finde, auf Dauer wirkt es anstrengend.
Auch bei „Das Dämonenschiff“ ist es mir so ergangen. Ich denke, ich verrate nicht zuviel wenn ich offenbare, dass die beiden Hauptfiguren, Andrej Delany und Abu Duun, Unsterbliche sind. Nicht total unsterblich, sondern eher unglaublich zäh und langlebig. Beide besitzen z.B. Selbstheilungskräfte.
Und da liegt oft der Knackpunkt – jedes Mal, wenn Andrej in dem Buch verletzt wird, stellt er fest, dass seine Heilkräfte aus irgendeinem Grund langsamer brauchen, als es eigentlich hätte sein dürfen. Klar, das schürt die Spannung und das Mitfiebern, aber das ist einfach immer so in dem Buch. Jedesmal werden die beiden so schwer verletzt, dass sie nur ein Wunder retten kann und jedes Mal können sie sich schwerer heilen. Jedes Hindernis wird noch schwerer und noch schwerer. Irgendwann, finde ich, leidet einfach die Glaubwürdigkeit.
Ich will meinen Helden auch mal cool finden können, ich will erleben, was er drauf hat und ich will dabei sein, wenn er allen anderen überlegen ist.
Viele Dinge im Buch brodeln einfach auf höchstem Niveau vor sich hin, kochen aber nicht über.
So zum Beispiel auch die Dialoge zwischen den beiden oben genannten und einem weiteren Charakter, Thure. Jedesmal, wenn die sich unterhalten, bringen sie sich gegenseitig zur Weißglut, ihre Augen funkeln vor Zorn und sie beben vor Wut. Jedesmal. Aber artet das aus oder diskutieren sie es aus? Nein. Ich meine, warum vertragen sie sich nicht mal eine Weile oder einer von ihnen steht über den Kommentaren des anderen und nimmt sie gar nicht erst für voll? Auch diese Lässigkeit der Dialoge – hat mir eigentlich immer gefallen. Ich mag es, wie gehässig und ironisch Abu Dun daher redet – aber im gesamten Buch ist er höchsten drei-, viermal wirklich ernsthaft. Das schlaucht….
Anschließend habe ich ein altes Buch von Wolfgang Hohlbein zur Hand genommen: „Die Töchter des Drachen“ (was der Vorläufer von „Der Thron der Libelle“ ist – das Buch, in das ich mich als allerstes Buch von Hohlbein verliebt habe). Und ich war überrascht: es macht Spaß, „Die Töchter des Drachen“ zu lesen. Der Stil ist natürlich ähnlich, hat aber irgendwas an sich, was den Text geschmeidiger macht und glaubwürdiger. Das lese ich gern. Und sowas möchte ich gern wieder lesen :)

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