Die verpackte Ehrlichkeit

Gestern bin ich mit guter Laune durch die abendliche und von frostiger Kälte durchströmte Stadt gewandert. Das mag an „Arena“ von VNV Nation gelegen haben, das ich gerade wiederentdeckt und gehört hatte. Oder aber an der sehr netten Gesellschaft, die ich am Weihnachtsmarkt zuvor hatte. (Natürlich lag es nicht an der Musik ;))
Auf jeden Fall hatte ich mich dem Weihnachtsgeschenkestreß gewachsen gefühlt, was auch bis heute zum Toys ‚R Us angehalten hatte…

Im Prinzip ist es doch jedes Jahr das Gleiche. Wir wissen zu irgendeinem Zeitpunkt der Vorweihnachtsphase nicht, was wir schenken sollen. Aber wir müssen etwas schenken. Warum?
Weil es Tradition ist? Das ist kein schlagendes Argument. Weil man selbst etwas geschenkt bekommt? Ist keine universelle Behauptung. Weil man sonst ein schlechtes Gewissen hat? Dafür gibt es viele Gründe, aber das ist wohl keine unumstößliche Begründung. Aber es ist meist tatsächlich so: man hat sonst ein schlechtes Gewissen. Woher kommt das? Zum einen kommt es daher, dass man (in den meisten Fällen) weiß, dass man selbst etwas geschenkt bekommt. Und man will sich revanchieren. Das ist normal und das ist Gang und Gäbe, aber es müsste doch eigentlich auch ohne gehen oder nicht? Ich weiß doch nicht, dass der Beschenkte dankbar ist, nur weil er sich auch für mich durch die Läden gequält hat, um mir etwas im Gegenzug zu besorgen. Nein, eigentlich sollte ich es auch so wissen, einfach, weil der andere sagt: Danke.

Und nun die Frage: Sind wir tatsächlich so materiell eingestellt, dass wir unseren Dank nur in Geschenken ausdrücken können? Bzw. uns dazu verpflichtet fühlen, ihn in Geschenken auszudrücken. Glauben wir, wir können ihn nicht richtig ausdrücken, wenn wir ihn nicht mit einem Gegenstand unterstreichen?
Ja und nein.
Manchmal (oder eigentlich sehr oft, nehme ich mal an) ist das Geschenk auch die Erfüllung eines Wunsches. Der beschenkte hatte einen ganz bestimmten Wunsch, den er selbst sich nicht erfüllen wollte oder konnte. Dann tun wir das für ihn. Um unsere Wertschätzung auszudrücken.

Aber was machen wir, wenn wir keine Wünsche erfüllen können? Wenn der andere sich gar nichts wünscht (und es auch so meint) oder wenn wir einfach nicht in der Lage sind, den Wunsch des anderen zu erfüllen. Sollten wir dann dennoch versuchen, etwas zu besorgen? Und was wird das sein?

All diese Fragen, machen es mir schwer, Geschenke einzukaufen. Geschenke sind ein Symbol für etwas Besonderes; für Dankbarkeit, Respekt, Liebesbekundung, …
Vielleicht gibt es ja eines Tages auch einen Ort und eine Zeit, in der man keine Symbole braucht, um dem, dem man nahe steht, dies zu vermitteln.



Hinterlasse einen Kommentar