Pflichtprogramm: Harryphönixpotterorden

Ja ich weiß, der Titel des Beitrags kommt irgendwie abwertend herüber. Hat der Film das verdient? Wenn ja, weil er schlecht ist oder weil er gut ist? Und auch das Wort „Pflichtprogramm“ – Pflichtprogramm, weil man es gesehen haben muss, um mitzureden oder Pflichtprogramm weil er so gut ist?
Man sieht, schon der Titel zu einem Beitrag über den Film gerät zu einem mehr als zweischneidigen Schwert – wie ist es mit dem Film selbst?

Wieder einmal hat ein neuer Regisseur das Ruder übernommen und wieder ist ein Film von seinem Stil geprägt. Nicht mehr so schlimm jedoch wie bei den ersten Teilen. Die Charaktere stehen, ihr Aussehen steht, die Sets stehen – alles so, wie es der Zuschauer kennt und je mehr Teile kommen, desto weniger Gestaltungsfreiheit hat ein Regisseur. Dennoch hat der Film – wie oben erwähnt – seine eigene Note.
Schon im dritten Teil, der Gefangene von Askaban, spürte man – und dafür bin ich einem meiner Lieblingsregisseure unglaublich dankbar – wie die Stimmung der Potter-Filme wandelte und ins Düstere driftete. Ich denke, das braucht man, um besser zu fühlen, was Harry durchmacht. Die Filme bringen das – und das sage ich jetzt nach reiflicher Überlegung – fast besser rüber als die Bücher, denn immerhin rufen die Bücher eine ganze Welt samt vieler Details und Nebenplots wach, für die der Film keine Zeit hat. Er beschränkt sich vielmehr auf die Personen und die stetige Verschärfung der Konflikte.

Möglicherweise war das etwas zu mutig von Alfonso Cuarón, denn der nächste Teil, der Feuerkelch, entspannte die ganze Sache wieder und bot Spiel und Spaß mit der Quidditch-Weltmeisterschaft. Dennoch schaffte es auch dieser Teil einen schweren Schlag, nicht nur Harry Potter und seiner Welt, sondern auch dem Zuschauer zu versetzen mit der recht gekonnten Inszenierung von Cedric Diggorys Tod.

Und im fünften Teil, der Orden des Phönix? Die Geschichte selbst gibt es vor, es geht bergab. Alles wird schlimmer und schlimmer – Leid und Schmerz nehmen zu und die bunten Farben ab. Dem zollt der Film jedoch nicht in vollem Maße Tribut. Er bedient sich zwar wunderbar der geschaffenen Welt und führt sie ohne einen Bruch fort, doch er leidet auch unter dem enormen Maß an Informationen und Geschehnissen, die Rowling in den fünften Band ihrer Zauberergeschichten gelegt hat. Dem ist ein 2-stündiger Film kaum gewachsen und so erhascht man auch kaum mehr als einen Hauch von den diktatorischen Zuständen in Hogwarts, nachdem Prof. Umbridge die Macht übernommen hat. Alan Rickmans Schauspielerei als Prof. Snape ist mal wieder überragend, doch auch hier wurde auf das Nötigste gestaucht.
Den Kern der Sache präsentiert er jedoch aussagekräftig und erzeugt ein gewisses Maß an Mitgefühl.

Jedoch auch hier sei relativiert: wer die Zeichen versteht, sich drauf einlässt und auch „zwischen den Zeilen“ ließt, kann mit Harry Potter mitfühlen. Allen anderen wird es leichtgemacht, den Film einfach nur anzuschauen und nicht zu erleben.

Eins der Highlights am Film war für mich tatsächlich die Bildsprache, der man durchaus Respekt zollen sollte.



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