Auch wenn es insgesamt ein Genre ist, gibt es ja EgoShooter und EgoShooter. Auf der einen Seite stehen Titel wie Crysis und Call of Duty, die auf Action, Mainstream und Hochglanz getrimmt sind und auf der anderen Seite gibt es Titel wie S.T.A.L.K.E.R. oder eben Metro 2033, die einen mehr düsteren und dreckigeren Weg einschlagen.
Ich mag als Shooter-Fan im Grunde beide Seiten der Medaille, letztere aber ganz besonders, da diese Spiele es immer wieder schaffen, eine besondere Atmosphäre aufzubauen. S.T.A.L.K.E.R. beispielsweise war dystopisch, teilweise sehr bedrückend und bedrohlich. In Metro 2033 trifft man auf die postapokalyptische Welt eines zerstörten Moskaus, das ebenfalls eine bedrückende Atmosphäre ausstrahlt, doch durch den trockenen und unverwüstlichen russischen Humor der anderen Überlebenden einen besonderen Reiz erhält.
Prinzipiell ist Metro ein grundsolider Shooter, der alles bietet, was das Genre voraussetzt: eine doch recht ansehnliche Grafik, hochaufgelöste, dreckige Texturen, Schleichmissionen, Gruselsequenzen und Ballereien. Auch vom Gameplay her erinnert der Titel stark an S.T.A.L.K.E.R., da man immer wieder auf gesicherte Orte mit NPCs trifft, an denen man sich ausrüsten und umher streunen kann. Dabei gibt es jedoch nicht so viele Rollenspiel-Elemente wie in dem Chernobyl-Shooter; bessere Waffen bekommt man lediglich durch Erwerb, nicht zum Beispiel dadurch, dass man selbst Hand anlegt. Auch gibt es keine Charakterwerte, die man irgendwie steigern kann.
Ist nicht weiter schlimm, denn die Atmosphäre in den Metro-Stationen ist perfekt umgesetzt. Man gelangt durch die notdürftig errichteten Unterkünfte einer Gesellschaft, die sich mit der Katastrophe arrangiert und unter die Erde geflüchtet hat. Dazwischen trifft man immer wieder auf Ranger, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, nach Moskau hinauf zu steigen und die Reste der Zivilisation nach Brauchbarem abzusuchen. Von eben einem solchen Ranger wird man beauftragt, seinen Weg forzusetzen und gelangt so ebenfalls immer wieder an die Oberfläche.
Im Zuge der Verseuchung der Stadt überlebt man ohne Gasmaske keine fünf Minuten und ist so immer zur Vorsicht gezwungen. Zusammen mit dem nervösen Atemgeräuschen von Artjom, dem Hauptcharakter und der Möglichkeit, dass die eigene Gasmaske beschädigt oder herunter gerissen wird, spürt man die feindliche Umgebung des apokalyptischen Szenarios fast schon am eigenen Leib.
Der atomare Winter hält Moskau eisig umklammert und die einzigen Lebewesen, auf die man trifft, möchte man dabei lieber vermeiden: geflügelte Dämonen, die auf Häuserecken sitzen und unter deren Augen man sich durch die Trümmer schleichen muss.
An diesen Stellen fällt immer wieder auf, wie exzellent die verlassenen Orte auch grafisch umgesetzt sind. Lichtsäulen beispielsweise, die durch Staubwolken fallen, zerschlagene Fenster und Schutthaufen, die sich in den Ecken der Räume sammeln. Im späteren Verlauf gelangt man durch eine Moskauer Bibliothek und eine Kapelle, die als Zufluchtsort für Menschen herhalten muss und selten habe ich eine solch realistische Umgebung erlebt, wie die geplünderten und zerfallenen Räume der großen Bibliothek.
Wie die meisten Spiele hat allerdings auch Metro 2033 seine Schattenseiten. Dummerweise gehören einige wenige zu denen, die nicht hätten sein müssen. Ist man an der Oberfläche unterwegs, muss man eine Gasmaske dabei haben samt Filter. Die Filter verbrauchen sich mit der Zeit, doch findet man immer genügend Ersatz. Bei der Gasmaske selbst sieht das jedoch etwas anders aus: Ist die einmal zerstört, hat man nur wenig Zeit, sich Ersatz zu suchen, der dann meist bei Verstorbenen irgendwo in den Trümmern zu finden ist. Je nach Schwierigkeitsgrad ist das noch machbar. Schlimm wird es allerdings, wenn sich das Spiel vertut und den Charakter nach seinem virtuellen Tod nicht an den letzten Speicherpunkt versetzt, sondern nach vorne. So steht man dann draußen, ohne Gasmaske in einem Gebiet, das man nicht kennt und rennt panisch herum, um eine Gasmaske zu suchen. Und dabei eventuell noch in einen Gegner hinein.
Auch eine sehr missliche Lage: Nachdem man durch eine Metrostation durch ist, wird man erneut an die Oberfläche geschickt. Das Spiel lädt, man befindet sich am Beginn einer neuen Mission und die Tür hinter einem ist verschlossen. Hat man in diesem Moment keine Gasmaske dabei, ist man verloren, denn im weiteren Umkreis findet sich kein Ersatz und zurück kann man auch nicht. Stirbt man nun bei der verzweifelten Suche nach dem Lebensretter, so wird man zurück gesetzt an die Startposition und wiederum beginnt das eifrige Sterben erneut. Man gelangt hier an eine Stelle, die es in mordernen Spielen eigentlich nicht mehr geben sollte: ein totes Ende. Da hilft nur, einen alten Speicherstand zu laden, an dem man noch eine Gasmaske hatte und diesmal noch sorgsamer darauf zu achten, dass sie nicht kaputt geht.
Ebenfalls nicht ganz gut gelungen sind einige Actionsequenzen, in denen man eine Kette von Ereignissen auslöst, die man überwinden muss. Ist man nicht schnell genug, so stirbt man an irgendeinem Angriff oder Trümmerregen, ohne, dass man es verhindern kann.
Davon aber abgesehen ist Metro 2033 ein empfehlenswertes Spiel: die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht, das Waffenrepertoire wirkt behelfsmäßig und passt perfekt in die Umgebung. Was ich ebenfalls sehr mag: nicht zuletzt, da das Spiel auf einer Romanvorlage basiert, wirkt die ganze Story ebenfalls so, als käm sie aus dem für uns exotischen Osten. Denn auch im Spiel spürt man, wie die Russen immer wieder versuchen, an große Geschichten einen Hauch Mystik und Übersinnlichkeit anzuheften. Glücklicherweise wirkt das bei Metro 2033 keineswegs erzwungen, sondern passt sich plausibel und (relativ) glaubhaft in das Spiel ein. Wer den letzten Atmosphärekick braucht, der stellt die Sprachausgabe auf russisch und genießt eine düstere Welt, in der hinter vielen Ecken der Tod lauern kann, die Menschen aber immer noch Menschen sind.





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