Schnauze voll von Superlativen

Ähnlich einem braven inaktiven und berieselungsbereiten Bürger habe ich mich gestern eine Weile vor den TV geworfen. Ungelogen, nach ca 1,5h Stunden hätte ich fast kotzen können.

Nach dem Einschalten lief DMAX und drauf war eine Sendung namens „Schmutzige Jobs – Arbeit, die keiner machen will“. Ich hatte schon einmal eine Spiegel TV-Reportage zum Thema gesehen, bei der Leute dokumentiert wurden, die zum Beispiel bei der Müllabfuhr auf der Hamburger Reeperbahn gearbeitet haben. Sicher, was die manchmal erleben, darauf hat nicht jeder Lust, aber dafür wurden sie auch von den Anwohnern gewertschätzt. Ich hatte also eine ungefähre Ahnung davon, was mich auf DMAX erwartete. Oder auch nicht…

Denn in der gestrigen Folge ging es um Murmel-Hersteller! Ja, genau – eine kleine Firma, die Murmeln herstellte! Und ich dachte schon, Klärgrubenreiniger oder Callcenter-Agent wäre ein schlechter Job, aber das war ja wohl der Hammer! Ich meine, es ist absolut furchtbar zu sehen, wie sich diese Leute kreative Muster und Materialzusammenstellungen ausdenken, um die schönsten Murmeln zu fertigen. Wie sie Maschinen selbst ausgetüftelt haben, um sich die Produktion zu erleichtern und zu sehen, wie vernarrt der Chef der Firma in die kleinen runden Dinger ist, so dass er bereits eine Sammlung von über einer Million Stück hat. Wahrlich, einer der schmutzigsten Jobs überhaupt auf der Welt.

Also wer immer das Format betreut, hat sich ja wohl mal übelst vergriffen. Als Murmelhersteller hätte ich mich sogar beleidigt gefühlt, wenn mein Job als schmutzig und unliebsam verleumdet wird. Dummerweise hat auch der Moderator, der vermutlich das zweite Mal vor der Kamera war, keinen einzigen Fakt erwähnen können, der an diesem Job irgendwie unangenehm wäre. Fail!

Danach wurde die nächste Sendung angekündigt, die irgendwas mit einem Extrem Angler und Flußmonstern zu tun hatte. Gezeigt wurde ein wahnsinnig grinsender Angler, der einen Fisch in die Kamera hielt. Toll…

Diese ganzen Serien sind so besch**** inszeniert und geschnitten, dass sogar Kuchen backen zu einem Abenteuer wird, äh, werden soll.

Leider wurde es nach dem Umschalten auf ProSieben nicht viel besser. Hier lief Galileo Big Pictures, das sich mittlerweile zu einem beliebten Format gemausert zu haben scheint. Gezeigt wird eines der unpersönlichsten und überzogensten virtuellen Studios der Fernsehlandschaft, Aiman Abdallah bekommt (manchmal) drei Sätze zwischendurch um das nächste Bild anzukündigen (das übrigens schon jeder kennt) und dann folgt eine Geschichte zum Bild, die von der Off-Stimme mit Superlativen gehyped wird. Das spektakulärste Bild zum schlimmsten Ereignis der Menschheitsgeschichte vor den grauenvollsten Schicksalen der am härtesten betroffenen Menschen. Gähn…

Zugegeben, es waren ein paar interessante Geschichten dabei, aber die 8minütigen Werbeunterbrechungen, das eingebaute Interview mit dem am Besten informiertesten Redakteur, der genau 2 Minuten da war und die Abfertigung von einigen Bildern mit wirklichem Inhalt in rund 3 Minuten waren unter aller Sau. Die Sendung selbst versetzte meine Magensäure schon in Wallung, aber die Werbung dazwischen brachte mich langsam an den Rand des Erbrechens. Wie kann man sich von dieser Scheiße nur so zumüllen lassen?

Ich hab ja lange kein Fernsehen mehr geschaut, doch jetzt, wo ich es zwischendurch mal wieder tue, ist alles schlimmer geworden. Sendungen werden mit Layer-Werbung überlagert, es werden Werbeblöcke mit „nur einem Spot“ dazwischengeschoben (wofür der Zuschauer wohl dankbar sein soll), der eigentliche Werbeblock wird mit einem Spot samt Countdown begonnen, alle zwei Blöcke kommt die gleiche Werbung, dazwischen finden sich Filme, die auf HD-Inhalte hinweisen, die ich nur bekomme, wenn ich Geld bleche. Ich kann nichts mehr glauben, nichts bekommen und kriege Inhalte, die mich nicht interessieren.

Ich bitte euch, wenn da draußen irgendwelche Sendungen existieren, die sehenswert sind und sich statt nach Einschaltquoten nach Inhalten orientieren, dann sagt es mir!



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