Neulich saß ich mit meinem Acer in der Bibliothek und habe gearbeitet. Neben mir saß eine Komilitonin, die ihren Laptop dabei hatte – ein Mördergerät, riesengroß, aber … praktisch lautlos. Währenddessen pustete mein Acer so vor sich hin und war im ganzen Raum hörbar (zumindest fühlte es sich so für mich an). Da kam ich zu dem Schluss, dass das eigentlich nicht sein kann und das Acer mindestens genauso still sein sollte.
Ich kam auch auf das Problem, dass die Lüftersteuerung des Acer Aspire One über das Betriebssystem schon immer eine problematische Angelegenheit war. In vielen Linux-Derivaten für Netbooks ist diese nicht integriert, in Ubuntu Netbook Remix (wie ich herausfand) schon, funktionierte aber irgendwie nicht.
Es hat mich ein bisschen Zeit gekostet, doch schließlich habe ich es doch hinbekommen. Größte Hürde war dabei die Überwindung, das Risiko einzugehen, den Lüfter überhaupt zu steuern, also ihn abzuschalten, wenn das Gerät nicht so heiß ist. Denn man kann den Lüfter grundsätzlich abschalten und selbst wieder anschalten, muss dabei aber immer die Temperatur im Auge behalten, was nicht wirklich Sinn der Sache ist. Und überhaupt stirbt das Netbook durch Überhitzung einen schnellen Tod, wenn man sich an den Lüfter wagt.
Glücklicherweise grub ich irgendwo die Info aus, dass Intel angibt, der interne Prozessor vertrage bis zu 99°C, bevor es zu Beeinträchtigungen kommen kann. Das halte ich für ziemlich viel und bestärkte mich in dem Vorhaben, das Ganze doch mal anzugehen.
Anleitungen, wie man den AAO-Lüfter steuert, gibt es viele, aber bei einem Linux-Einsteiger wie mir gibt es immer das Problem, dass man kaum weiter kommt, wenn etwas mal nicht so läuft, wie in der jeweiligen Anleitung. Glücklicherweise konnte ich mich unter Benutzung dieser Anleitung irgendwie durchwurschteln.
Beachten sollte man dabei gleich den ersten Hinweis:
Die Steuerung des Lüfters per Software ist auf zwei Weisen möglich. Entweder durch Skripte (acerfand) oder durch ein Kernelmodul (acerhdf). Auf keinen Fall sollten beide Möglichkeiten gleichzeitig genutzt werden!
Ich habe letztere Möglichkeit, also die Verwendung des Kernelmoduls acerhdf verwendet. Zum einen, weil ich mit einem Modul besser umgehen kann als mit einem Skript und zum anderen, weil das Modul schon in UNR implementiert ist. Wer immer daran gedacht hat, dem gebührt ein fettes Lob! Wer das Modul noch nicht auf dem Rechner hat, kann es sich hier herunter laden und wie unter dem obenstehenden Link installieren.
Laut der Anleitung soll nun geprüft werden, ob das Modul beim Systemstart geladen wird. Dazu öffnet man das Terminal und gibt die Zeile lsmod | grep acerhdf ein und bestätigt mit Enter. Falls das Terminal nun eine weitere Zeile ähnlich dieser: acerhdf 7956 0 ausspuckt, soll das Modul einwandffrei geladen sein. War es bei mir auch und sollte es bei jedem Nutzer von UNR sein. Trotzdem aktiviert es sich nicht ordnungsgemäß beim Systemstart.
Darum gibt man nochmals im Terminal die Zeile sudo sed -i ‚/exit 0/iecho -n „enabled“ > /sys/class/thermal/thermal_zone0/mode‘ /etc/rc.local ein und bestätigt. Jetzt könnte man bereits den Rechner neu starten und sich über das funktionierende Modul freuen. Allerdings weiß man noch nicht so genau, nach welchen Regeln es funktioniert und darum müssen diese noch definiert werden.
Das geschieht wieder über einen Befehl im Terminal: sudo modprobe acerhdf interval=5 fanon=65 fanoff=60. Am interessantesten sind dabei die beiden letzten Werte, die bestimmen, wann sich der Lüfter ein- und wieder ausschaltet. 65 bedeutet, dass sich der Lüfter bei 65°C einschalten soll. Bei 60°C soll er sich dann wieder abschalten. Es reicht allerdings nicht, die Zeile einfach einzugeben und zu bestätigen, da die Version des Moduls, die im UNR bereits integriert ist, die Temperatur in 1000stel Grad bestimmt. Statt 65 muss man also 65000 eingeben. Ist die Zeile editiert, kann sie bestätigt und das System neu gestartet werden.
Es gibt wiederum verschiedenste Wege, die Temperatur zu messen. Ich habe eine ausprobiert, mit der ich jedoch keinen Erfolg hatte. Linux-typisch bringt einen das Terminal aber ganz sicher zum Ziel. Wer also wissen möchte, wie warm oder kalt es der Hardware gerade ist, der gibt die Zeile cat /sys/class/thermal/thermal_zone0/temp ein. Die Zahl, die das Terminal danach ausspuckt, steht für die momentane Temperatur.
Zugegeben, das ist keine allzu elegante Methode, aber nach mehreren Wochen Einsatz habe ich festgestellt, dass eine ständige Temperaturüberwachung zB per Taskleistensymbol reine Ressourcenverschwendung ist, da das Netbook erstens fast nie heißer als 70°C geworden ist und das Modul immer zuverlässig gearbeitet hat.

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